Lokalgeschichte SÄGEN

Ortsteil Sägen

Mehrere Holzsägen standen hier seit dem 16. Jahrhundert und so kam die Parzelle und die Sägerstraße zu ihrem Namen. Angetrieben wurden diese Wasserwerke durch den Müllerbach, der heute noch unterirdisch durch das Gelände fließt.

Von Salzmann zu Hämmerle

Den imposanten „Hochbau“, Sägerstraße 4, ließ Industriepionier Johann Baptist Salzmann (1798-1881) 1851 als Spinnerei anstelle einer Säge erbauen. Der Unternehmer betrieb bereits eine Weberei, eine Bleiche sowie eine Druckerei an anderen Standorten und beschäftigte zahlreiche Heimweber*innen. Die jahreszeitlich bedingten Wasserschwankungen des Müllerbachs führten 1856 zur Aufstellung der ersten Dampfmaschine, ein rauchender Schlot war die Folge. Nach dem Konkurs der Firma Johann Baptist Salzmann im Jahr 1894 erwarb die Firma F.M. Hämmerle die Spinnerei Sägen und stellte auf Buntweberei um. 1898/99 wurde der Betrieb aufgenommen.

 

Der größte Websaal Österreichs

Aber erst die fortschreitende Elektrifizierung machte die Industrie von der lokal vorhandenen Wasserkraft unabhängig, das Unternehmen konnte den Standort Sägen weiter ausbauen. 1927 entstand Richtung Osten ein Shedbau mit 600 Webstühlen, der nach der Erweiterung 1936 der größte Websaal Österreichs war. Während des Zweiten Weltkriegs profitierte das Unternehmen von Rüstungsaufträgen und Zwangsarbeit. Im Obergeschoss des Hochbaus waren die Schlafräume der Zwangsarbeiter*innen untergebracht.

Von der Stickereifachschule zur Bundestextilschule

Das schrittweise Ersetzen der menschlichen Arbeitskraft durch Maschinen war nur durch ausgebildete Fachkräfte möglich. Zuerst wurden diese aus der Schweiz und Deutschland geholt, 1891 dann in Dornbirn die „K.k. Fachschule für Maschinenstickerei“ gegründet. Als 1958 am Standort Sägen die „Bundestextilschule“ nach Plänen der Architekten German Meusburger und Willi Ramersdorfer an der Achstraße errichtet wurde, unterstrich dies den Rang Dornbirns als Textilindustriestadt. Die Schule umfasste nun auch Textiltechniken wie Weberei, Spinnerei, Wirkerei, Strickerei, Kleidermachen, Textilchemie und die altbewährte Maschinenstickerei. 1971/72 wurde die Fachschule in eine Höhere Lehranstalt für Textilbetriebstechnik umgewandelt, 1986 übersiedelte die Schule nun als HTL an die Höchsterstraße.

Produktivität und Textilkrise

In den 1960er Jahren erzeugte eine einzige Weber*in an mehreren Automatenwebstühlen in der Stunde mehrere hundert Laufmeter Gewebe. Die Webereien der Firma F.M. Hämmerle in den Betrieben Sägen (760 Webstühle), Eulental (543) und Mittebrunnen (108) erzeugten damals rund 21 Mio. Quadratmeter Stoffe, vor allem Buntgewebe für Kleider, Hemden, Blusen, Pyjamas usw. Bedingt durch Rationalisierungsmaßnahmen wurden die Webstühle an den Standort Sägen verlegt und neue Hallen ersetzten die alten Shedbauten. Die Zahl der Beschäftigten der Firma F.M. Hämmerle verringerte sich von rund 2.700 auf 2.100 Beschäftigte, die Produktivität der Mitarbeiter*innen verdoppelte sich im selben Zeitraum. Die Textilkrise der 1990er Jahre führte zum Verkauf und 2008 zur endgültigen Einstellung der Textilproduktion am Standort Sägen. Die verbliebenen Industriebauten werden heute von der F.M. Hämmerle Holding und der öffentlichen Hand verwaltet.

Vom Technikum zur Fachhochschule

Die Ansiedlung des „Technikum Vorarlbergs“ 1994 am Standort der alten Textilschule an der Sägerbrücke war die Initialzündung für das gesamte Fachhochschul-Wesens in Österreich. Die Fachhochschule Vorarlberg ist mittlerweile eine der wichtigsten Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen des Landes, 2008 wurden erstmals mehr als 1000 Studierende gezählt.